Marokko / Teil 5 – In slow motion….

Posted on Apr 19, 2018 in Marokko, WoKi–Trips, Wüstentrips
Marokko / Teil 5 – In slow motion….

Der CP Erkounte südl. von Mirleft ist für uns der beste Platz zum Ausruhen und Verarbeiten der tollen Eindrücke von unserem Wüstenabenteuer. Nach 2 Tagen geht es weiter, der Plage Blanche ist unser nächstes Ziel, bevor wir wieder ins Landesinnere fahren. Rund um Tafraute gibt es viel zu sehen, bzw. zu erfahren. Von den bisher 5.700 gefahrenen Kilometern, waren wir knapp 1.000 km offroad unterwegs – mal arg bis heftig, mal genußvoll bis easy – und um es einmal im Jargon der Jugend auszudrücken: „ Es war saugeil 🤪“

11. – 19. April 2018
Am CP Erkounte geht es jetzt beschaulich zu. Gerade mal eine handvoll Camper sind hier. Der Platz ist riesig, schön gelegen über dem Meer und wie ich höre, ist er den von Nov. bis März mit Winterflüchtlingen voll belegt. Das möchte ich mir lieber nicht ausdenken, da krieg ich Gänsehaut. Ein schmales Wegerl führt zum Strand hinunter, die Vegetation ist karg, aber sehr interessant.

Euphorbien wachsen in allen erdenklichen Erscheinungsformen, hübsch anzusehen, aber stachelig und zumeist giftig.

Die Strandmärsche sind erholsam, die Muschelsuche allerdings nicht ergiebig. Da wären wir beim Müll sammeln erfolgreicher ☹️ Leider !

Es liegt viel angeschwemmtes, oder achtlos weggeworfenes Plastik herum. Was sich mancherorts schon sehr gebessert hat, seit wir zum letzten Mal in Marokko waren, ist eben doch noch nicht ganz beseitigt. Das Müllproblem!
In jedem Fall tut man hier viel dafür und wir staunen geradezu, wie sauber es in vielen Städten ist. Seit das Verbot von Plastiksäcken in den Geschäften in Kraft ist, bekommst du z.B. beim Bäcker das Brot in recyclebaren Stoff???Taschen. Sehr vorbildlich, finden wir.
Jetzt sind die Akkus wieder voll, daher geht es nochmals ab in den Süden. Gleich in der Nähe ist eine Attraktion der Küste, Legzira.

Von Wind und Wellen geformte Felsentore aus rotem Konglomeratgestein. Bei Ebbe kann man gut hindurchmarschieren.

In Sidi Ifni decken wir uns am großen Markt mit reichlich frischem Gemüse ein.

Das Angebot ist riesig, der Preis winzig, für 2 Euro schleppst du Säcke voll Vitamine und Grünzeug heim.

Aber es gibt natürlich auch andere nützliche Dinge zu kaufen !


Wir nehmen die kleine, küstennahe Straße zum Plage Blanche, dort möchten wir die Nacht verbringen. Zuvor besuchen wir noch das Fort Bou Jerif. Wir nehmen aber nicht die steile Auffahrt in Foum-Assaker, nicht weil wir es dem WoKi nicht zugetraut hätten, nein, sondern weil mein: „Na, bittschön ned scho wieder so a Nervenkitzel“  überraschenderweise gehört wurde.
Bei dem, was allerdings dann auf uns gekommen ist, wäre das eine Kleinigkeit gewesen. Wir drehen also um und nehmen gleich den nächsten Abzweig nach Bou Jerif. Anfangs eine gute Offroad Piste, mitten durch die schöne Landschaft. Das gefällt uns.

Als die Piste das Oued Assaker erreicht, fängt die Misere an. Alles abgebrochen, weggeschwemmt, wie gehabt, nach diesem Schlechtwetter-Frühling. Es gibt provisorische Ausweichpisten mit echt argen Verwerfungen – phuuu – armes WoKi!!!
Mein Adrenalinspiegel steigt in den ungesunden Bereich, aber da müssen wir jetzt durch. Zum Fotografieren ist wiedereinmal keine Zeit, wir müssen einen machbaren Weg finden. Das schaffen wir schlußendlich und wiedereinmal bekommt unser WoKi: Applaus, Applaus….

Unglaublich, welche Verschränkungen Toyo und Kabine aushalten mussten. Bravo, auch für den behutsamen Driver! Er kriegt ein Extra Bier, aber erst am Abend 😉
Ein echtes Saurierskelett liegt auch herum, mich beeindruckt es weniger, ich bin noch mit meinem Kreislauf beschäft!


Jetzt zum vielgepriesenen Plage Blanche, es ist schon spät, aber wir wollen ja am Meer nächtigen.
Man fährt durch einsame Gegend, an manchen Stellen wächst Getreide, hie und da sieht man ein paar Behausungen für Mensch und Tier.
Dann trauen wir unseren Augen nicht, bei Aoreora ist die Hölle los. Schon von Weitem sehen wir die vielen Autos und Wüstenfahrzeuge, Motorräder und Quads, Fahnen, Übertragungswagen fürs Fernsehen, Versorgungstrupps, Hubschrauber……die Wege alle abgesperrt, es findet die Morocco Desert Challenge statt. 4 Tage das volle Spektakel ! Na Bravo!

Spektakel brauchen wir keines, schlußendlich finden wir doch noch ein schönes, ruhiges Plätzchen über dem Meer. Der Wind pfeift, das WoKi bietet guten Windschatten. Wir marschieren hinunter zum Strand, aber zum Baden ist es nicht nur zu windig, auch zu kalt. Logisch, wir sind am Atlantik!

Da die weiterführenden Wege für uns nicht benützbar sind, weil abgesperrt, machen wir kehrt und fahren Ri. Amtoudi. Das Dorf Id Aïssa ist berühmt wegen dem gleichnamigen Agadir, der auf einem hohen Felsvorsprung thront. Wir parken beim CP vom Hotel Auberge Amtoudi, aber sonderlich gut gefällt uns nur die Umgebung.
Meine Frage: „Du Wolfgang, müssen wir da hinauf?? Zu Fuß?? Um 12h Mittags??“

„Ja!! Oder wir gehen am späteren Nachmittag, aber dann müssen wir halt hier übernachten!“
Wir gehen!!!
Die aus Bruchstein ohne Mörtel errichtete Speicherburg aus dem 12. Jhd. ist eine der ältesten und besterhaltenen in ganz Marokko. Bis in die 1950iger Jahre wurde sie noch benutzt.

Nicht nur als Speicher für Getreide und Wertgegenstände, sondern auch als Zufluchtsort für Mensch und Tier.

Der Anstieg war lohnend, der Ausblick die Belohnung!
Mit meiner Pluderhose könnte ich bald als Marokkanerin durchgehen. Ok, das Kopftuch fehlt!


Alles also halb so schlimm für uns Alpinisten, daher geht es gleich weiter.
Wir wissen von unseren lieben Freunden und Marokkoprofis Lisi und Martin, dass es eine gute Piste direkt nach Tafraut gibt, die geht sich noch gut aus. Der Tag gibt im Frühling halt viel mehr her als im Herbst.

Die Fahrt begeistert uns wiedereinmal. Es geht durch eine enge Schlucht, oben thront ein Agadir ganz malerisch am Felsen, wir können uns gar nicht sattsehen.

Marokko fasziniert uns mit seiner Vielfalt an Landschaften. Und überall freundliche Menschen.
Kurz vor Tafraute gibt es die berühmten „Painted Rocks“. Der belgische Maler Jean Verame bemalte die bis zu 30m hohen Granitfelsen.

Wir finden die Landschaft faszinierend schön, für uns hätte sich der belgische Künstler die Mühe gar nicht machen müssen.

Der Nachtplatz mit Blick auf die blauen Steine ist der Hammer, sie sind im schönsten Abendlicht und wir freuen uns, endlich wieder beim Lagerfeuer den Sternenhimmel auf uns wirken zu lassen.


Der nächste Tag gehört Tafraute, wir fahren mit dem WoKi in die Stadt. Kaum sind wir mittendrin, kommt schon ein netter, junger Mann, der uns in gutem Deutsch (er hat vor Jahren im Zillertal gearbeitet) einen passenden Parkplatz organisiert und darauf verweist, dass er im Buch von Erika Därr erwähnt ist.
Da kriegen wir ja schon glatt einen Verfolgungswahn 😉
Aber er ist sehr zuvorkommend und als wir sagen, dass wir alleine in den Souk gehen möchten, zieht er sich diskret zurück.

Hier staunen wir über die vielen Schuhmacher und auch alles was sonst hier angeboten wird, wirkt sehr authentisch auf uns.





Das Tal der Ammeln möchten wir natürlich nicht versäumen, und so befahren wir den westlichen Teil dieses schönen Tales mit seinen hübschen Häusern.

Die Ammeln sind ein Berbervolk und haben den Ruf als gute Händler. Offensichtlich haben sie es auch zu beachtlichem Wohlstand gebracht, denn die neuen, rosa getünchten Häuser mit weißer Ornamentikbemalung sieht man häufig hier in der Gegend.

Ein Stück weit fahren wir noch die Passtraße Richtung Tizi-n Tagounit bevor wir wieder auf unserem Traumplatz landen.
Bei Lagerfeuer und „Schichtfleisch“ aus dem Feuertopf endet ein wunderschöner Tag.


Mein Koch verdient heute 4 Sterne, für Hauben ist es hier einfach zu heiß!

Die Schluchtentour steht heute am Programm, daher nehmen wir die Straße hinauf zum Adrar Mqorn (2.344m) mit herrlichen Ausblicken. Die Aït-Mansour- Schlucht überwältigt uns geradezu, sie ist spektakürlär zwischen hohen rot-braunen Felswänden und tiefhängender, üppiger Vegation eingeschlossen.

Man wähnt sich im Garten Eden, ja wenns im Paradies dann wirklich so schön ist….



Es folgen Dörfer mit schönen, zumeist verfallenen Ksars.

Bei Suq Afella Irhir biegen wir links ab in zu einer weiteren Schlucht, der Timguelchte Schlucht. Es geht viele holprige Kilometer durch gottverlassene Dörfer auf leidlich guter Piste.

Sie wurde vor vielen Jahren einmal geteert, aber nun ist der Belag abgerissen, löchrig und in jedem Oued beinahe unpassierbar. Nach dieser sensationell schönen Tour wollen wir heute noch nach Taliouine, bevor dort wir am CP Toubkal versuchen, unsere Fassaden zu renovieren.
Der Platz ist schön gelegen, durchaus zu empfehlen, aber die Werbung für den Swimmingpool können sie lassen. Unzählige Wasserleichen schwimmen drin (natürlich nur Insekten ;-))

Taliouline hat auch einen alten Ksar.
Nach dem Einkauf am belebten Markt ziehen wir weiter, Marrakesch wäre unser Ziel. Dazu müssen wir über den Tizi-n Test mit 2.093m. Die Strecke hinauf ist ein Traum mit spektakulärer Sicht, aber in etwas abgewraktem Zustand.

Natürlich ist sie einspurig, das belebt den Kreislauf bei Gegenverkehr. Gott sei Dank habe ich erst als es zu spät gewesen wäre im Buch von Edith Kohlbach nachgelesen, dass der Felsüberhang im oberen Drittel nur eine Durchfahrtshöhe von 3m!!! erlaubt. So hab ich halt vorsichtshalber den Kopf eingezogen, nix passiert 😅
Im Oued Nfiss geht es hinaus in Ri. Marrakesch, bei Tahanaoute wechseln ins andere Tal, ins Ourika-Tal.
Diese Orte und Täler sind bekannte Wintersport- und Wandergebiete, sie liegen dem Dj. Toubkal mit seinen 4.167m zu Füßen.

Wir wollen es nur mehr gemütlich heute, darum suchen und finden wir den Garten Anima von André Heller. Er hat dort im Süden von Marrakesch ein kleines Paradies geschaffen. Zum Staunen, Lauschen und Lustwandeln.

Das tun wir auch ausgiebig, bevor wir am CP Le Relais in Marrakesch eintrudeln!



Genau zur Rushhour mitten durch Marrakesch, na das war für heute mit Sicherheit unsere letzte Aufregung.
Der CP bietet alles was wir brauchen, sogar einen sauberen Pool, aber ich brauch jetzt einmal ein Bier!!! Am CP treffen wir rein zufällig „alte Bekannte“ ein Bimobil mit Innsbrucker Besatzung, Carola und Burkhard, wie nett. Da stellen wir uns doch gleich dazu, wir haben uns ja 2015 in Kappadokien kennengelernt und seither nicht mehr gesehen, das gibt viel Gesprächsstoff.

Marrakesch ist eine eigene Geschichte, zauberhaft, turbulent, laut…unvergeßlich! Wer dabei sein will: Stay hungry and foolish 😛 denn es geht genußvoll weiter!

Weiterlesen Teil 6

Und vielen Dank Euch allen, für Eure netten Rückmeldungen, wir freuen uns über jede Zeile aus der Heimat, oder von wo auch immer ! Bitte Eure lieben Grüße künftig ins Gästebuch schreiben, die „Kommentare“ funktionieren nicht mehr.