Kreta 2019, Teil 3 / Wer Meer hat, braucht weniger…

Posted on Sep 20, 2019 in Griechenland, Kreta, WoKi–Trips
Kreta 2019, Teil 3 / Wer Meer hat, braucht weniger…

Aus der tollen Bucht hat uns der Sturm vertrieben, das Gewackle und Gezerre am WoKi nervt. Die Wetter App verspricht, dass der Wind nach 2 Tagen aufhören wird, in Ag. Nikolaos soll es sogar regnen. Da bleiben wir lieber im sonnigen Osten. Tja, wer Meer hat, braucht weniger
In unserem Fall weniger Wind – wir hatten an was anderes gedacht, z. B. an textilfrei 😉

13. – 20. September 2019
Itanos ist sowieso ein „Windloch“, wie man bei uns sagen würde, der Himmel ist tiefblau und ohne Wind wäre es nicht auszuhalten, ohne Sturm schon.
Wir fahren hinaus auf die nordöstliche Halbinsel, landschaftlich sehr schön, einsam, unbebaut und sehr exponiert. Vor allem für den Wind. Ein Fahrverbot stoppt uns, hier ist militärisches Sperrgebiet.
Auf zum berühmten Palmenstrand von Vai, der steht natürlich auch auf unserer Liste.
Nicht als Highlight, wir wissen, wie vermarktet er ist.

Einen Drink am Beach und das war’s dann auch schon.

Wir möchten nicht in der 6. Reihe bei Schirm Nr. 13 unsere alten Knochen in die Sonne bzw. den Wind legen. Die Bucht bzw. das Meer ist perfekt zum Baden, weil windgeschützt, das ist zugegebenermaßen ein großer Pluspunkt in Vai.
Links und rechts davon sind ebenfalls wunderschöne Strände, menschenleer, auch mit Palmen, auf die hätten wir uns so gefreut. Schade, hier ist an Schwimmen gar nicht zu denken.

Die Gegend ist auch berühmt für die hier heimischen Bananen. Klein und süß.

Er hat die einzige Plantage, die ohne Plastik-Gewächshaus auskommt, versichert uns der nette Grieche, der neben den kleinen Bananen auch noch andere Dinge aus eigener Produktion am Straßenrand verkauft.

Er sagt auch, dass so viel Wind hier im September nicht normal ist. Falls das als Trost gedacht war, war es nutzlos.

Wir fahren weiter in den Süden, jetzt sind wir auf Nachtplatzsuche. Windgeschützt, wenn geht. Tolle Buchten mit herrlichen Stränden gibt es um Chióna, auf einer Staubstraße kommen wir bis zum beliebtesten Surferstrand Kretas, Koureménos.
Logisch, hier ist es auch windig, muss wohl so sein! Bei der österr. Windsurfschule „Freak Surf“ finden wir freie Parkflächen, nur durch Tamarisken vom Strand getrennt, die uns auch Schutz und Deckung geben. Das Meer ist immer noch wild und aufbrausend, da bleiben auch die geübten Surfer an Land.
Im Schutz der Tamarisken können wir sogar draußen sitzen, den markanten Tafelberg Kastri im Blickfeld, alles gut!

Am nächsten Tag sind wir schon wieder auf Achse, weiter in den Süden Ri. Zakros und Kato Zakros mit seiner schönen Bucht.

Früher gab es hier viele freie Stellplätze, aber man vermutet eine komplette minoische Stadt unter dem meist lila-färbigen Erdreich. Noch hat man sie nicht freigelegt, nur weiter hinten den Palast von Kato Zakros, den man auch besichtigen kann.

Er beherbergt einen der ältesten Metallschmelzöfen der Weltgeschichte. Auch dieser Palast wurde bei der großen, rätselhaften Katastrophe von 1450 völlig zerstört.
Frei stehen ist natürlich nicht mehr erlaubt, stell dir vor, du stehst genau auf der Schatzkammer der minoischen Königin, oder gar auf ihrer Latrine….
Nikos ist gleich zur Stelle, er bietet Parkflächen an, mit Meerblick, immerhin.

Für € 7,- darfst du hier 24 Std. parken, er ist überaus freundlich und zuvorkommend, hat Wasser – bestes Bergwasser, wofür die Gegend auch berühmt ist. Essen, Trinken, Toiletten, alles gleich nebenan.
2 Stück Kuchen von der Mama kriegen wir auch von ihm, sie ist die beste Köchin, versichert er uns immer wieder. Welche Mama nicht, in den Augen der erwachsenen Söhne?
Wir stellen uns in den Windschatten der riesigen Tamariske, trinken Kaffee mit dem wirklich besten Kuchen von Mama .

Die Wanderung in das Tal der Toten wäre für heute noch gut machbar und Nikos bietet sich gleich an, uns mit seinem Auto zum Eingang der Schlucht unterhalb von Zakros zu bringen.

Jetzt sind wir froh über den Wind, sonst wäre die Wanderung viel zu heiß gewesen, jedenfalls für die Flora. Die Minoer haben hier in den vielen Felsenhöhlen ihre Toten beerdigt, daher der Name. Wir fragen uns, wie und warum sie es geschafft haben, ihre Verstorbenen da hinauf zu bringen.

Es ist ein unwegsames, mühsames Gelände. Gut, dass sich nicht alles mit unserem rationalen Verstand erklären lässt.
Am Abend bleibt die Küche kalt, in den Tavernen kann man gut und günstig speisen. Die Nacht war erträglich, der riesige Baum gibt Windschatten und wir haben unsere Luftfederung auf 3,5 bar aufgepumpt. Allerdings hatte der viele Schatten auch den Nachteil, dass die Solarzellen den Dienst quittierten, daraufhin auch Bordbatterie. Durch einen Windstoß hat ein Ast unsere Dachhaube ramponiert, jetzt haben wir einen Dachschaden 😉
Das Hauberl wird geklebt, wir stellen uns wieder in die Sonne und alles ist gut.
Zarkos ist das Zentrum für das Olivenöl, wir stoppen und shoppen in einem hübschen Laden Öl, Raki vom Fass und 2 nette Frühstücksbretter aus Olivenbaumholz.
Die vielen Olivenbäumen lassen diese fruchtbare Gegend in üppigem grün erscheinen, alles andere ist ocker-farben in den unterschiedlichsten Tönen. Das Herbstliche hat auch seinen Reiz, es gefällt uns sogar ausgesprochen gut.
Wir haben es schon befürchtet, aber die traumhaft schönen Buchten von Xerocambos und Ambelos sind ebenfalls sturmumtost.

Toll anzuschauen, aber hier können wir unser Haupt nicht zur Ruhe betten, von Ruhe keine Spur.

Wir betrachten eine Weile das faszinierende Schauspiel, rumpeln ein wenig in der Gegend herum, in der Hoffnung auf ein erträgliches Plätzchen. Vergebens!
Eine Ringelwurmstraße bringt uns dann den Berg hinauf, die macht ja der Großglockner Hochalpenstraße Konkurrenz. Das Panorama ist halt etwas anders. Statt saftiger Almwiesen mit Rindviechern gibt es hier kahle ocker-farbene Bergflanken die steil in das tiefblaue und weißgischtige Meer fallen. Und Ziegen, jede Menge Kletterkünstler unterwegs.

Über das Landesinnere geht es weiter nach Chandras, wo uns eine alte venezianische Siedlung zur Mittagsrast einlädt und eine griechische Familie uns im Glauben bestärkt, dass die Menschen hier überaus nett und sympatisch sind. Die bösen Weiber sind schon vergessen.

Das Kloster Moni Kapsá hat nicht nur einen klingenden Namen, da wäre auch ein perfekter Nachtplatz für uns, direkt unter dem Kloster.

Moni Kapsa klebt auf einem Felsvorsprung über dem Ausgang in die Perivolákia Schlucht.

Im 15. Jh erbaut, hat es logischerweise eine sehr bewegte Geschichte und natürlich auch Legenden drumherum, die die Menschen früher brauchten, als die Geschichten noch nicht aus der Flimmerkiste kamen. Ah ja, die Flimmerkiste gehört ja auch schon zu den Legenden!

Das Kloster wird natürlich besichtigt und bestaunt, die Schluchtenwanderung gecancelt dann ziehen wir Leine. Ihr wisst schon warum…
In der Nähe von Ieropetra wird ein CP angegeben, dort hoffen wir auf ein ruhigeres Plätzchen. Hier ist man auf Wind gut vorbereitet, die großzügigen Plätze für Wohnmobile sind regelrecht eingehaust. Windabweisende Holzwände und ein Schattendach über uns sorgt endlich für eine ruhige Nacht. Jetzt fühlen wir uns wie im Abrahams Schoß!
An der Rezeption sagt man uns, dass heute die letzte Windnacht sein wird, morgen schläft er ein. Da hoffen wir mal, dass sie recht hat und so ist es auch. Er soll aber in einer Woche wiederkommen, meint sie, aber nicht so heftig, und da hat sie leider auch recht.
Der „Long Beach“ ist traumhaft schön, endlich wieder nach Herzenslust schwimmen und in der Sonne liegen. Da wird verlängert, hier können wir die Seele baumeln lassen, aber auch die Wäsche waschen und unser Stübchen wieder sauber machen. Glaubt ja nicht, dass das Camperleben nur Müßiggang ist.

Flora schwimmt mit Wolfgang schon sehr weit raus, die Mutige! Wenn man bedenkt, dass es im Herbst in Sardinien noch viel Überredungskunst brauchte um sie ins Wasser zu bringen…
In Ieropetra schlendern wir ein wenig durch die Stadt, trinken Café frappé an der Pier und staunen über die 2 Papageien, die uns immerzu „hallo hallo“ entgegenkrächzen, sehr zum Entsetzen von Flora.

Ich hole mir endlich meinen Internetzugang, denn men Datenvolumen für das Ausland ist fast aufgebraucht. Bis die Sim-Card im Router funktioniert, dauert es allerdings fast 1 Std. Irgendein Problem hat sogar den jungen Griechen zum Schwitzen gebracht in dem eisig heruntergekühlten Laden. Aber jetzt funzt’s. Efcharistó poli!
Um Keratocambo soll es weiße Sanddünen geben, steht im Buch. Als hätten wir nicht schon genug Sand – überall !!! Im Toyo, im Woki, in allen Ritzen und Fugen, in den Schlapfen, unter den Zehennägel, na gut, überall halt, wo man mit Besen und Fetzten nicht gut hinkommt.
Sanddünen übten immer schon eine besondere Faszination auf uns auf, daher machen wir uns auf die Suche. Es gibt viele schöne Strände mit groben bis feinen Kiesel, dazwischen auch ein paar sandige Abschnitte, aber Dünen sehen anders aus. Egal!
Windstill, türkisblaues, bacherlwarmes Wasser, kein Mensch weit und breit – ja, wer Meer hat, braucht weniger! Jetzt passt der Spruch ganz genau so, wie wir ihn am Liebsten interpretieren.

Am Abend gibt es endlich Lagerfeuer, im Feuertopf bruzzeln Hühnerfilets mit afrikanisch gewürztem Gemüse und der Sternenhimmel erinnert uns auch sehr an Afrika. Sternschnuppen inklusive.

Der Sonnenuntergang ist spektakulär, der Wein passt perfekt zum Hühnereintopf, da bleiben keine Wünsche offen. Gar keine!!!

Dann geht auch noch der Vollmond auf, kugelrund, orangerot.

Matala – ein Muss für jeden Kreta-Urlauber.
Da ist bei mir sowieso schon Skepsis angesagt, zurecht. Die Parkplätze voll mit den kleinen weißen und roten Mietautos und Busse, viiiele Busse. Die Massen strömen in Richtung Beach und Höhlen, wir auch!

Wo in den 60iger Jahren die Hippies aus aller Welt die Wohnhöhlen als ihr Zuhause einrichteten, klettern jetzt scharenweise die Touristen herum. Hier verbrachten viele Amerikaner, die die Teilnahme am Vietnamkrieg verweigerten, darunter auch Bob Dylan und Cat Stevens, Monate oder Jahre und träumten von „peace, love and music“. Von den Einwohnern bestaunt, aber geduldet.

Matala war ein Symbol für Freiheit, dann kamen die Rucksacktouristen dazu und schlußendlich wurden die Höhlen unter Denkmalschutz gestellt, somit nicht meht bewohnbar.
Heute ist der kleine Ort vermarktet, wie könnte es anders sein, von peace, love and freedom keine Spur mehr nur business. Daher setze ich mich in eine der vielen Tavernen und trinke Retsina, derweil Wolfgang die Höhlen besichtigt. Flora und mir genügt der Blick mit Abstand, zudem ist es heiß – und windstill!

Der Kómo Beach liegt gleich nebenan. Vielleicht ist es da ruhiger, leider nein!
Die Parkplätze voll, wir fahren bis zum „geht nicht mehr“- jedenfalls nicht für die normalen PKW, hier wird es tiefsandig.

Der Strand ist doch recht locker besetzt, weil riesig.
Es gibt, wie wir gelesen haben, Abschnitte für die Nackerten, die auch zahlreich vorhanden sind und den Strand doch ziemlich interressant machen. Nicht weil sie nackt sind, sondern weil man hier noch etwas spüren kann von der Atmosphäre damals. Die unterschiedlichsten und abenteuerlich aussehenden Typen rennen hier herum, da könnte ich mir jetzt glatt vorstellen, dass mir Cat Stevens begegent, natürlich auch nackert und ich würde mit ihm „Morning has Brooken“ der aufgehenden Sonne zu trällern und in jedem Fall mit Bob Dylon am Lagerfeuer „Blowin in the Wind“ singen, auch wenn der grad nicht mein Freund ist. Der Wind, meine ich. Ein wenig von dem Geist der 68iger Jahre steckt halt doch noch in mir. Und jetzt habe einen neuen Ohrwurm, aber den liebe ich ja!!!

Am Rand der Dünen stehen noch einige Zelte, die von den besagten Leuten bewohnt sind, aus mancher Behausung hört man Trommelklang, Panflötenmusik und ein eigenartig süßlicher Geruch strömt uns entgegen, es gibt also doch noch „peace, love, music and….drugs“. Manche Gestalten sehen nämlich aus, aus wäre hier der Gnadenhof der 68iger Aussteigergeneration. Der Zahn der Zeit und die Sucht der Zeit hat ihnen zugesetzt.

Für uns geht es weiter, es locken wieder Pisten und Schluchten, schön, wenn ihr mit dabei seid.

Kaliméra aus Kreta

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