Kaukasus Teil 3, Kappadokien

Posted on Mai 17, 2014 in Kaukasus, WoKi–Trips
Kaukasus Teil 3, Kappadokien

Wir beginnen die 3. Woche in einer Zauberwelt, die ich gar nicht beschreiben kann, weil sie unbeschreiblich ist.
Nach dem ersten Eindruck – der sehr zwiespältig war, wegen der unglaublichen Menschenmassen – haben wir Täler durchwandert, ohne jemandem begegnet zu sein und uns dann doch als „echte Touris verkleidet“
Wir fuhren mit dem Ballon bei Sonnenaufgang über Kappadokien.

17. bis 19. Mai 2014
Wir halten also am ersten View-Point, zwischen unzähligen Bussen und Buden, da ist das Entsetzen nicht mehr weit. Aber wir machen doch auch die ersten Fotos, völlig fasziniert von der Schweizer Käselandschaft.OLYMPUS DIGITAL CAMERAIn Göreme wird ein CP ganz toll beschrieben und er enttäuscht uns nicht. Kaya Camping. Der CP liegt oberhalb von Göreme mit wunderbarem Blick über die bizarre Landschaft. Hier ist es auch ganz ruhig, die Massen tummeln sich unten in der Stadt. Der Standard ist europäisch, genau wie beschrieben.
Gewitterwolken haben sich zusammengebraut, 5 (oder 6?) Regentropfen fallen, begleitet von starkem Wind.
An der Rezeption steht ein freundlicher Mann der perkfekt deutsch spricht, hat Wanderkarten für Bewegungshungrige (wie wir) und bietet natürlich auch gleich Ballonfahrten an, von der eigenen Agentur. Er erzählt uns viel darüber,  und auch, was der schreckliche Unfall im Vorjahr für Auswirkungen hatte. Jetzt darf nur mehr eine bestimmte Anzahl an Ballons starten, die Behörde überwacht!
Unser Stellplatz ist ein Traum, wir sitzen vor herrlicher Kulisse in der ersten Reihe und genießen das wohlverdiente Bier.
OLYMPUS DIGITAL CAMERADer Abendspaziergang führt uns gleich in eine Wunderwelt aus Kegeln, Türmchen, Feenkaminen und Höhlen. Wir sind mutterseelenalleine unterwegs, da sind wir wieder versöhnt. Die Massen sitzen jetzt wahrscheinlich im Hotel beim Abendessen, oder im Bus, der sie zur nächsten Sehenswürdigkeit karrt.
Der nächste Tag beginnt zeitig, wir erleben das Schauspiel der aufsteigenden Ballone mit Sonnenaufgang, denn unser Stellplatz ist wie ein Logenplatz dafür. Das steigert die Vorreude auf die für Samstag gebuchte Ballonfahrt.OLYMPUS DIGITAL CAMERAAber heute planen wir eine lange Wanderung durch die verschiedenen Täler.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERADer beschriebene Weg führt uns durch natürliche Tunnels, vorbei an Kirchen und Höhlenwohnungen und auch heute begegen wir nur einer handvoll Wanderern und einer Schildkröte.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

TR_Kapp7Allerdings wird es mittags fast unerträglich heiß und wir sind froh – speziell die Vunny – als uns am Ende des Tales ein Öffi-Bus zurück zum CP bringt.
Jetzt genießen wir 2x Kühles.
1. Pool (20 Grad)
2. Bier (8 Grad) ich glaube es war umgekehrt!
Am Samstag, 17. Mai ist es also soweit. Wir müssen um 4.30h!!! aufstehen (Ja, auch Wolfgang hat das hingekriegt)
Ein Bus bringt uns zum Platz, wo heute die Ballone starten, der richtet sich immer nach dem Wind. Dort ist schon ein Menschenauflauf sondersgleichen. Man versorgt uns mit Kaffee, Tee und Kekse, wir beobachten gespannt die Vorbereitungen. Bei Vollmond, wie romantisch!
Jetzt werden die Ballone zum Leben erweckt, zuvor liegen sie ja noch wie gestrandete Wale im Sand.TR_Kapp11

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TR_Kapp29Wir fahren mit unseren CP Nachbarn Susanne und Ueli aus der Schweiz in einem Korb, der hat 4 Abteilungen, wo je 5 Menschen Platz haben (müssen!)OLYMPUS DIGITAL CAMERAÜber den Aufwand an Logistik und Bodenpersonal sind wir erst einmal erstaunt. 4 Mann halten uns noch am Boden, bevor Hakim, unser Pilot, das Zeichen für den Start gibt.OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Wir heben ab, schweben bei Sonnenaufgang über Kappadokien und sind wirklich überwältigt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAÜber und durch das Love Valley, ja, richtig gelesen: durch!! Die erfahrenen Piloten lassen sich in’s Tal sinken und man fährt zwischen den Steinsäulen, die aussehen wie riesige Phallusse hindurch (oder hat sich da ein Steinzeitmensch eine DildoSammlung zugelegt?? ;-)) Dann steigen wir wieder auf über 500m Höhe und sehen die Täler aus der Vogelperspektive.TR_Kapp32

TR_Kapp30Die Fahrt dauert eine gute Stunde, wir genießen jeden Augenblick.
Dann landen wir in einem Acker und jetzt das selbe Spektakel nocheinmal. Das Bodenpersonal und der Landcriuser samt Anhänger stehen schon parat – im übrigen sind hier 90% der  Geländewagen, die den Hänger für Korb und Ballon zum Landeplatz fahren, Toyota Landcruiser, na was denn sonst! – die müssen ja die ganze Strecke „am Land“ mitfahren, um rechtzeitig zur Stelle zu sein.OLYMPUS DIGITAL CAMERAHakim setzt den Korb direkt auf den Hänger, das ist ja unglaublich. Und dann zieht uns der Toyo samt Hänger mit vollbesetztem Korb und dem Ballon  noch aus dem Acker auf den Weg, wo unser Bus wartet. Da sind wir ersteinmal baff!TR_Kapp33Jetzt gibt es Sekt und Kekse, sowie eine Urkunde plus Foto, wie es halt die Touristen gerne mögen. Uns freut es auch, wir sind jedenfalls um ein unauslöschliches Erlebnis reicher.TR_Kapp34

TR_Kapp20Um 1/2 8h sind wir schon wieder am CP und bereiten uns ein fulminantes Frühstück. Der Sekt war nicht ganz unser Geschmack, deshalb stoßen wir mit unseren netten Nachbarn nochmals auf die Ballonfahrt an. Wie gut, dass ich so viel gebunkert habe.
Unser Außenthermometer zeigt 38Grad (in der Sonne, logisch) daher ist heute unser Platz am Pool oder in der Hängematte. Vunny liegt unter dem WoKi und läßt sich den Wind durch das Fell streichen. Sie genießt, wie wir, unseren Ruhetag.TR_Kapp97Gegen Abend marschieren wir zu einer Höhlenkirche und zum Open Air Museum, beide in fußläufiger Entfernung. Die AynaliKirche ist sensationell. Man bekommt eine Taschenlampe und eine kurze Erklärung, durch welche Gänge man gehen soll, nein, man muss eigentlich kriechen und wo man Acht geben soll, weil es  z.B. 8m in die Tiefe geht. Ohne Absperrung natürlich. Es gibt Wandmalereien, Altäre, Treppen…TR_Kapp10Am Ende werden wir noch zum Çay (Tee) eingeladen und mit Handschlag und den besten Wünschen verabschiedet. Wir waren dort die einzigen Touristen.OLYMPUS DIGITAL CAMERAGanz anders natürlich im Open Air Museum. Hier strömen noch immer viele Menschen durch die Gänge und Kirchen, obwohl schon später Nachmittag. Trotzdem, es war sehenswert.
Am Abend kann man herrlich draußen sitzen, es wird noch ein Gläschen mit unseren netten Nachbarn geleert und wir merken, wie unser Reiseherz anfängt unruhig zu werden. Morgen ist ein guter Tag für die Weiterreise.
Bildschirmfoto 2014-10-03 um 16.35.40Es ist Sonntag, 18. Mai, wir starten pünktlich um 9h. Das Frühstück mit Blick auf die Ballone konnten wir noch genießen, die fuhren heute genau in die andere Richtung, und uns herzlich von den Schweizer Nachbarn verabschieden.
Die vielen weiteren „Must See“ von Kappadokien lassen wir sein, wir haben ohnehin wunderbare Eindrücke mitgenommen.
Der Weg in den Osten Ri. Nemrut Daği ist zwar gut ausgebaut, endlos, aber streckenweise auch langweilig. Manchmal denken wir, wir sind in Marokko im Atlas Gebirge, dann wieder in Andalusien.
Der Nemrut Daği ist ein 2.150 m hoher Berg auf dessem Gipfel sich ein größenwahnsinniger König im 1. Jhd v. Chr. gewaltige Statuen bauen ließ, von sich, von div. Ahnen und Göttern. Bei Erdbeben sind die meisten der über 2 m hohen Köpfe heruntergepurzelt und gucken nutzlos aber eindrucksvoll in die Gegend.
Wir versuchen, den Götterberg vom Norden anzufahren, obwohl auf keiner unserer Karten ein Weg eingezeichnet ist. Auch LISA (Navi) meint: geht nicht! Aber wir verlassen uns auf den „Lonely Planet“ unseren Reiseführer, der schreibt: geht schon. Die beste Zeit für gute Bilder ist der Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, wir wollen zum Sunset oben sein, dort unter den Köpfen übernachten um pünktlich wieder beim Sunrise zu sein. Der ist immerhin um 5h angesagt.

Ab Malatya fahren wir südöstlich mit einem 1.900m hohen Pass. Wir wundern uns auch heute wieder, dass uns kein einziges WOMO oder anderes „TouriAuto“ begegnet. Schon glauben und hoffen wir, dass am Nemrut Daği nicht allzuviel los sein wird. Wir kommen zu einem Schranken, bis hierher war die Strecke gut befahrbar, auch für WOMOs. Ab jetzt ist die Straße unbefestigt und geht steil bergauf.
Die Frage, ob wir oben schlafen können wird verneint, er deutet uns: viel zu kalt!
Wir sagen: macht uns nichts aus, da lacht er und schüttelt den Kopf. Verrückte Österreicher!
Jetzt ist Bodenfreiheit gefragt, kein Problem. TR_Nem2

OLYMPUS DIGITAL CAMERAUnser Nachtplatz, im Hintergrund der große Atatürk Stausee.
Als wir endlich oben ankommen traue ich meinen Augen nicht. Hunderte, wirklich hunderte Menschen drängen sich bei den Absperrungen auf der Ostseite.
Wir gehen auf die Westseite zum Sunset und jetzt kann ich es überhaupt nicht mehr fassen. Auf jedem Felsvorsprung hocken Menschen mit gezückter Kamera, ganze Menschentrauben stehen vor der Absperrung, da kommt die Erinnerung an Santorin in Griechenland auf, wo jeder den Sonnenuntergang mit Windmühle fotografieren will und nicht kann, wegen der vielen Menschen.
Tut mir leid, das packe ich gerade gar nicht. Soeben fährst du noch durch tiefstes Land, endlich ohne einem Hauch von Tourismus und dann das! OLYMPUS DIGITAL CAMERA

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TR_Nem1Der Beweis, ich habe nicht übertrieben……aber heute ist leider Sonntag, man hat uns versichert, dass an anderen Tagen nicht so viel los ist! Also bitte daran denken, falls jemand die Köpfe in Ruhe besuchen möchte.OLYMPUS DIGITAL CAMERAVon der Südseite geht nämlich eine gut ausgebaute Straße bis fast unter dem Gipfel, die ist auch für Busse einfach zu befahren. Wir flüchten ins WoKi und machen unseren eigenen Sundowner, es ist kalt (7 Grad) und windig hier auf 2.100 m.
Zuvor gibt es noch endloses Palaver mit dem Aufseher. Er will uns eine Abkürzung zeigen, die uns am direktem Weg auf die Südseite bringt, weil wir von dort am Einfachsten zum Van See kommen, unserem nächsten Ziel. Das hört sich gut an, aber wir sagen: heute nicht mehr, morgen! Wir sind schließlich über 500km gefahren.
Das will er gar nicht verstehen, redet in einem wirren Englisch auf uns ein, verfolgt uns bis zum WoKi, aber wir bleiben hartnäckig.
Jetzt wird eingeheizt, dann ein feiner Gemüseeintopf gemacht und eine gute Flasche geleert, das haben wir uns verdient. Keine Menschenseele ist mehr heroben, nur wir und der schneidige Wind.
Das Spektakel zum Sunrise ist nicht ganz so groß, aber ich begnüge mich trotzdem damit, vom WoKi aus ein paar Bilder zu schießen.
Dann kommt unser türkischer Freund und ab geht die Fahrt durchs buchstäblich wilde Kurdistan. Davon im nächsten Bericht.

PS:
Meine Lieben, wir sind schon in Armenien, gestern, 23. Mai, in Jerewan, heute gehts zum Ararat mit dem Khor Virap. Wir sind bisher restlos begeistert, haben so viele tolle Eindrücke von Land und Leuten, aber es klappt nicht immer mit dem Internet, daher erst jetzt mein Bericht von Kappadokien.
Wir haben so viel erlebt, ich werde Euch zutexten, macht Euch schon mal gefaßt!!!
Alleine der Grenzübergang Georgien / Armenien ist eine eigene Geschichte, eine skurile, lustige…und vergeßt ALLES, aber wirklich ALLES, was ich jemals über schlechte Straßen geschrieben habe. Dagegen war Albanien die reinste Spiewiese!!!
Nur das Wetter war in den letzten 4 Tagen sehr wechselhaft. Das wäre selbst im April eine Zumutung gewesen! Am Morgen immer Sonne, dann Wolken und dann viiiel Regen! Aber gestern hatten wir schon wieder Sonnenschein und gute Temperaturen.

Im Übrigen, wir Österreicher haben eine neue Identität. War es früher Sound of Music, oder Mozart damit sie uns nicht mit Australien verwechseln, verknüpft man selbst hier in Armenien Austria mit Conchita Wurst!!!
Niederlage ;-((

Weiterlesen Teil 4 Kurdistan

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