Fernweh versus Heimatleuchten!

Posted on Mai 23, 2020 in Kurztrips, Österreich, WoKi–Trips
Fernweh versus Heimatleuchten!

Lockdown!!! Die Welt hält den Atem an, aber sie steht nicht still, wie man manchmal meinen könnte. Sie dreht sich langsamer, vorsichtiger, umsichtiger und vielleicht auch nachhaltiger. Hoffentlich! Da liegt viel in unseren Händen. Corona hat unserem Reiseherz einen Schrecken eingejagt, aber nicht in Schockstarre versetzt.
Let’s move forward !

19. – 23. Mai 2020
Unser erster Kurztrip nach der verordneten Zwangspause führt uns bis nach Vorarlberg. Für den Westen Österreichs ist schönes Wetter prophezeit, und das Ländle ist sowieso unsere Lieblingsgegend.
Die Grenzen sind noch geschlossen, daher gibt es auch keine Fahrt über das Große od. Kleine Deutsche Eck, wir nehmen deshalb Kurs auf Mittelsill, Kriml mit Blick auf die imposanten Wasserfälle und hoch auf die Gerlos. Beim Speicher Durlaßboden fahren wir vorbei, er ist fast leer und ein entsprechend trostloser Anblick. Dabei gäbe es hier einen schönen Stellplatz direkt am See.
Ganz hinten beim Wildgerlos-See gefällt es uns besser, wir genießen die Einsamkeit, die in dieser beeindruckenden Gegend etwas Magisches hat.

Ein netter Abendspaziergang rund um den See tut nicht nur der Flora gut, wir freuen uns einfach, dass wir wieder unterwegs sein dürfen.

Die Flora ist sowieso nicht zu bremsen.

Am Abend gesellt sich Roman zu uns, der mit seinem Mountainbike die Gegend erkundet und dieses schöne Fotos von Flora gemacht hat. Danke, Roman!
Wir leeren gemeinsam ein gute Flasche Wein und freuen uns über die interessante Gesellschaft des jungen Mannes, der schon viel zu erzählen hat.

Tags darauf schrauben wir uns hinab ins Zillertal, die Orte entlang der Route mit ihren riesigen, leeren Bettenburgen wirken ziemlich bedrückend.
In Innsbruck ist es nicht viel anders, auch hier fehlen die (asiatischen) Touristen. Aber die Stadt wirkt nicht so gespenstisch ausgestorben, die Einheimischem erobern sie zurück, echt erfreulich 😉

Am Hahntennjoch möchten wir heute nächtigen, ich habe schon von zuhause aus einen schönen Nachtplatz dafür ausgesucht.

Aber hier heroben auf fast 1.900m ist es kalt und windig, wir kurven nach einem kurzen Stopp hinab ins Lechtal.

Direkt am Lech finden wir beim Parkplatz des Naturpark Lech unseren schönen und vor allem sonnig warmen Nachtplatz.

Die Klimmbrücke führt über den Lech und ein ausgedehntes Wandernetz lädt uns ein, die Füße zu vertreten und den Hund artgerecht zu bewegen. Denn die vielen Kurven und der Stadtbummel in Innsbruck sind ja nicht grad Flora’s Leidenschaft.

Der Lech ist der letzte Wildfluss im nördlichen Alpenraum und zeigt in seinem breiten Flussbett mächtige Kies- und Schotterbänke. Entsprechend abwechslungsreich ist der Wanderweg entlang, der gleichzeitig auch ein beliebter Radweg ist.

Heute geht es ins Ländle und zwar über den Hochtannberg.

Immer wieder schön, diese Passstraßen mit traumhaften Ausblicken.

Weil heute Feiertag ist (Christi Himmelfahrt), sind Horden von Motorradfahrern unterwegs, die sich dem Kurvenrausch hingeben. Ja, man muss auch ihnen diese Freude gönnen, oder? In diesen Massen und mit diesem Lärmpegel???
Na klar doch, jedem seine Leidenschaft ;-))
Es gibt auch gemütliche Gefährte, die bravourös den Berg erklimmen…

Schwarzenberg ist unser nächstes Ziel. Der Dorfplatz um den Brunnen bei der Kirche gilt als der schönste und besterhaltene des Landes Vorarlberg. Die Häuser, die unter Denkmalschutz stehen, lassen erahnen, dass hier Wohlstand blühte.

Im Angelika Kaufmann-Museum präsentiert man im modernen Teil des Hauses Einiges aus dem Schaffen der begnadeten Malerin.

Uns Österreichern – jedenfalls ab einem gewissen Alter – ist sie wohlbekannt. Ihr Portrait war auf dem Hundert-Schilling-Schein verewigt, der einem seinerzeit noch vermittelt hat, dass ausreichend Geld im Börsel ist.

Im Alten Teil gibt ein Heimatmuseum Aufschluss über die Lebensweise im Bregenzer Wald.

Das Hochaltarbild ist eines der letzten Werke der Künsterlin, die mit ihrem Vater ein paar Jahre in Schwarzenberg lebte und 1807 in Rom verstarb, wo sie auch beerdigt ist.

Ein typisches Bregenzerwälderhaus.
Im Gasthof zum Goldenen Adler nächtigte ich mit meiner Familie schon vor ca. 30 Jahren….hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein!


Eigentlich sollte die Weiterfahrt über das Bödele gehen. Eine Straßensperre bis Mitte Juni zwingt uns zum Umplanen.

Alles halb so schlimm, wir finden einen herrlichen Nachtplatz direkt an der Bregenzer Ach.


Perfekt ist nicht nur der Stellplatz, sondern auch das Wetter, also bleiben wir. Ein wenig faulenzen tut uns gut – und falls nicht, gibt es ja viele Wandermöglichkeiten. Herr und Hund machen sich auf den Weg, Frau genießt die Ruhe ;-))

Für den Samstag kündigt sich Sturmtief „Gudrun“ an. Ungefragt und ungebeten. Also verbringen wir nicht, wie vorhergesehen, die Nacht am Dünserberg bei Schnifis, sondern schlendern noch ganz beruhigt durch den Dornbirner Markt, gehen traditionell zum Bierwirt essen und vertschüßen uns Richtung Heimat.


„Gudrun“ will uns das Fürchten lernen, erreicht uns in St Johann i. Tirol mit voller Härte, macht mir Angst und Bang, weil schon ganze Äste durch die Luft wirbeln. In Innsbruck zeigte das Thermometer noch 31° und jetzt 11° mit Sturmböen und Starkregen.
Das Satelitenbild verspricht uns, dass die Front im Norden bleibt und so können wir schlußendlich die „Gudrun“ ausbremsen. Wir biegen ab Ri. Saalfelden, fahren über den Filzensattel kurvenreich bis Bischofshofen. „Gudrun“ schickt uns nur ein paar Rand-Störzonen. Die sind locker auszuhalten.

Der Kurzurlaub hat uns gut gefallen, wir geloben, unser schönes Heimatland weiter zu erkunden, haben den Fokus aber schon wieder in die (nähere!) Ferne gerichtet.
Kroatien ist schon bald eine Destination, die wir andenken dürfen. Rovinj hat Meer und der NP Velebit lockt mit ein paar Touren abseits der Touristenpfade, so es heuer überhaupt welche gibt.

Was im Herbst am Programm steht, wissen wir noch nicht….wir sind in Sachen Corona ja keine Hellseher.
Zypern ist noch nicht ganz aus unserem Kopf, aber die Türkei ist da unser größtes Sorgenkind.
Auch Kreta, ev. mit der kleinen Insel Kythira, die von der Fähre Gythion – Kissamos angefahren wird, wäre eine tolle Alternative. Wir haben noch viele weiße Flecken auf unserer Kreta-Landkarte.

Neue Geschichten gibt es also demnächst, wer wissen will, wie’s weitergeht – einfach per E-Mail anmelden.

Stay happy and healthy!

3 Comments

  1. Gerhard Plomizer
    19. Juni 2020

    Danke für Deinen Reisebericht aus Deiner Heimat Austria.

    Reply
  2. Birgit
    27. Mai 2020

    Oh ja, so schön kann Österreich sein! Wenn ich diese Bilder seh, bekomme ich gleich „Nah-weh“…

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  3. Rudi
    27. Mai 2020

    Schön wieder was von Euch zu hören und auch schön, dass ihr nach wie vor dem Virus getrotzt habt. Ich freue mich auf neue Berichte und Abenteuer und bleibt gesund
    LG
    Rudi aus Regensburg

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